„Jan hat ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden“ stand in der Kopfnote meines Abschlusszeugnisses der zweiten Klasse.
Brav sein, still, nicht allzu viel hinterfragen – das konnte ich damals schon nicht. Mit 15 hab ich nach einer Skate-Session am Schlachthof aufgehört Fleisch zu essen und im gleichen Jahr angefangen, zu demonstrieren (gegen den Irak-Krieg). Die schaurig-schönen Fotos der brennenden Ölfelder von Kuweit von Sebastiao Salgado haben mich nach dem Abitur motiviert, Fotograf zu werden. Nach fast zwanzig Jahren als (freier) Pressefotograf im In- und Ausland habe ich mich dann aber gegen die Fortführung dieses prekären Berufsbildes entschieden und es gegen ein weiteres prekäres Berufsfeld eingetauscht: Heute bin ich Sozialarbeiter und arbeite in einer Psychiatrischen Klinik.
Im Studium der Sozialen Arbeit habe ich die Chance bekommen mich intensiv und wissenschaftlich mit dem Thema Gemeinwohl-Ökonomie auseinanderzusetzen. Es sollte das bestimmende Thema für meine politische Arbeit bei den GRÜNEN werden. Unser gesellschaftliches Zusammenleben im Kleinen wie im Großen wird weit stärker als wir manchmal glauben von ökonomischen Aspekten beeinflusst: Die Höhe unserer Einkommen bestimmt die Wohngegend, in der wir es uns leisten können zu leben, die (Un-)Sicherheit unserer Jobs beeinflusst unser Miteinander mit Kolleg*innen, Mitbewerber*innen und Freund*innen. Die Höhe der Steuereinnahmen im Land steuert Sozialleistungen und Infrastruktur und die Wirtschaftskraft eines Landes dessen Einfluss in der Welt.
Wie muss verantwortungsvolles ökonomisches Handeln aussehen, das die extremen Auswüchse unserer Zeit (Klimawandel, Ressourcenverschwendung, Umweltverschmutzung, soziale Ungleichheit) eindämmt und kontrolliert? Denn eines ist klar – aktuell leben wir nicht nur auf Kosten aller zukünftigen Generationen, sondern schon jetzt auf Kosten unserer (globalen) Nachbarn. Das ist nicht nur zutiefst ungerecht, es ist auch extrem kurzsichtig.


Ich will die Welt verändern! Ich will nicht hinnehmen, dass Unternehmen ihrer Verantwortung für Menschen und Umwelt „aus Wettbewerbsgründen“ nicht gerecht werden. Dass VW ungestraft Kunden und Behörden betrügt und dass Apple, IKEA oder Google den internationalen Steuerwettbewerb gnadenlos für sich ausnutzen. Und ich will nicht, dass die dreckigsten Braunkohlekraftwerke der Welt in Deutschland auch nur noch eine Sekunde länger laufen als unbedingt nötig. Dafür ist das EU Parlament der beste Ort, denn wir in Europa haben eine besondere Verantwortung. Wir sind der zweitgrößte Wirtschaftsraum der Welt und von hier aus könnenwir die Welt verändern:


Ich will mich im EU Parlament stark dafür machen, dass unser wirtschaftliches Handeln nicht mehr zu mehr, sondern endlich zu weniger Umweltverschmutzung führt. Zum Beispiel mit einem Verbot von Mikroplastik in Kosmetika, Körper- und Pflegeprodukten, mit einer europäischen Plastiksteuer und mit verbindlichen Mehrwegquoten. Und für den Bereich der Landwirtschaft will ich für eine Ausrichtung der gemeinsamen europäischen Agrarpolitik an ökologischen Kriterien kämpfen und nicht mehr an der Betriebsgröße allein. 

Ich will mich im Europaparlament dafür stark machen, dass wir mit unserem wirtschaftlichen Handeln unsere planetaren Grenzen einhalten. Zum Beispiel indem wir zeitnah und europaweit aus der fossilen und atomaren Energieerzeugung aussteigen und den Ausbau der Erneuerbaren in der EU vorantreiben. Indem wir eine weitreichende Ökodesign-Richtlinie für eine ressourcenschonende Wirtschaftsweise in ganz Europa verabschieden und indem wir die Gemeinwohl-Ökonomie (die die externen Kosten in die Kalkulation einbezieht) zur Grundlage unseres wirtschaftlichen Handelns machen. Wir müssen unsere europäische Wirtschaft nachhaltig machen, damit wir uns nicht unserer Lebensgrundlagen berauben.

Nicht zuletzt will ich mich im Europaparlament dafür stark machen, dass wir unsere gesellschaftlichen Grenzen einhalten. Soziale Ungleichheit zerstört den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Wenn der Zusammenhalt aber fehlt haben Populisten und Nationalisten leichtes Spiel.

Armut macht krank. Ich will, dass ein europaweiter Arbeitnehmer*innenschutz installiert wird mit Mindestlöhnen, einer Grundsicherung und einklagbaren sozialen Grundrechten. Und ich mache mich stark für die Einrichtung einer Kommission, die die europaweite Einführung eines maximalen Abstands zwischen dem höchsten und dem niedrigsten Gehalt in einem Unternehmen prüft.

Denn: Die Wirtschaft ist für den Menschen da – nicht umgekehrt.