BDK im November in Leipzig

Posted on Nov 10, 2018 in Allgemein
Rede auf BDK in Leipzig

Willst Du keinen Sonnenbrand, mach Ferien im Sauerland! Diese uralte Weisheit aus meiner Heimat ist eigentlich zurückzuführen auf den vielen Regen und die Unbeständigkeit, die für Mittelgebirge typisch sind. Aber spätestens seit diesem Jahr ist auch der größten „Hinterwäldlerin“ aus Oberhenneborn klar – irgendetwas stimmt da nicht mehr.

Der Klimawandel ist plötzlich kein Phänomen mehr, das nur dünn besiedelte Inselgruppen betrifft, oder die Küstenregionen weit weg vom Sauerland. Nein – Er trifft uns ALLE. Und zwar JETZT schon. Die Sommerhitze hat im Sauerland das Weidegras für unser Milchvieh verbrannt und sie hat manche Dörfer von der Trinkwasserversorgung abgeschnitten weil Flüsse und Talsperren ausgetrocknet sind. Ich selbst bin noch vor ein paar Tagen an der Hennetalsperre 16 Meter unterhalb des normalen Wasserspiegels hergelaufen. Das war beängstigend! 

Zeitgleich fand in diesem Sommer zwei Stunden weiter westlich im Hambacher Wald ein Kampf statt zwischen einem der größten Klimakiller der Welt und ein paar aufrechten Waldschützerinnen. Zusammen mit vielen anderen engagierten GRÜNEN war ich viele Male vor Ort und habe den Kampf um den Wald mitgekämpft: Als Demonstrant und als offizieller Begleiter bei parlamentarischen Beobachtungen.

Und ich habe gesehen, wie der Widerstand der Zivilgesellschaft gegen die kompromisslose Gier eines einzelnen Unternehmens wuchs, und zwar

– mit jeder Drohung, die RWE gegen die friedlichen Aktivist*innen aussprach, 

– mit jeder gezielten Falschaussage von RWE und Landesregierung in der Öffentlichkeit, 

– mit jedem Tag, den die verdammte Räumung andauerte.

Aber Ihr wisst  auch: mit jedem Baumhaus, das RWE im Innern des Waldes auflöste wuchs auch die Zahl der Demonstrierenden gegen dieses Vorgehen außerhalb des Waldes! Am Ende haben wir es geschafft. Das Gericht hat die Rodung verboten und wir haben eine riesige Party gefeiert – mit 50.000 Leuten! 

Was hat jetzt das Sauerland mit dem Hambacher Wald zu tun?

In diesem Sommer im Hambacher Wald vergegenwärtigt sich die Aussage des britischen Ökonomen Nicholas Stern, den ich auch in meiner wissenschaftlichen Arbeit über die Gemeinwohl-Ökonomie zitiert habe: Stern sagte 2006: „Der Klimawandel ist das größte und weittragendste Marktversagen in der Geschichte des Kapitalismus.“ Und weil es laut Stern innerhalb des Marktes kein Regulativ für dieses Versagen gibt, ist die Politik – sind WIR – gefordert.

Denn… das ist jetzt  zwölf Jahre her – und was genau hat sich in dieser Zeit verbessert? 

Deshalb müssen wir die Unternehmen in der EU jetzt endlich und ganz konkret in die VERANTWORTUNG nehmen. Für nachhaltiges Wirtschaften. Wir können es einfach nicht mehr durchgehen lassen, 

dass RWE im Rheinland die schmutzigsten Kohlekraftwerke der Welt betreiben darf, oder 

dass die deutsche Automobilindustrie uns alle nach Strich und Faden verarscht und damit ganz offensichtlich auch noch durchkommt, 

Wir können es aber auch nicht durchgehen lassen – und das ist mindestens genauso unglaublich! – dass die Bundesregierung die Bestrebungen der UNO für ein völkerrechtlich bindendes Abkommen mit der EU für Wirtschaft und Menschenrechte seit Jahren blockiert. Genau DA will ich in Brüssel den Finger in die WUNDE legen!

Und es gibt etwas, das mich auf diesem Weg bestärkt: es gibt sie nämlich jetzt schon – auch in sehr umkämpften Märkten – die Unternehmen, die nachhaltig produzieren, die ressourceneffizient arbeiten und ihre Mitarbeiter*innen fair und geschlechtergerecht bezahlen. Die haben halt im Moment noch WettbewerbsNACHTEILE, weil sie meistens teurer sind.  Hier müssen wir in der EU eingreifen und das verändern. Und zwar fix!  Wer ökologisch, nachhaltig und solidarisch wirtschaftet, der muss doch  Wettbewerbs-VORTEILEhaben gegenüber denen, denen das alles am Arsch vorbei geht! 04:45

Wir alle hier in Leipzig haben heute schon viel gehört über die Gefahr des Auseinanderbrechens der EU, über das Erstarken der Rechten, über die Re-Nationalisierungstendenzen, und über den Brexit. Diesen sich gerade massiv verbreitenden Wagenburgmentalitäten will ich eine Vision entgegenwerfen. Die Vision eines vielfältigen, nachhaltigen kooperativen europäischen Staatenbundes, der die Herausforderung Klimaschutz gemeinsam angeht – denn der Klimaschutz geht jede Einzelne von uns an, nicht nur die Sauerländer*innen! 

Ich arbeite in einer Psychiatrischen Klinik und weiß, dass manchmal schon kleinste Veränderungen im Mindset phänomenale Auswirkungen auf das Verhalten von Menschen haben können. Und deswegen bin ich mir ganz sicher,  dass wir mit diesem gemeinsamen Kampf für ein nachhaltiges Europa eine Dynamik entwickeln können, an deren Ende wir alle zusammen die EU ein ganzes Stück besser gemacht haben werden. Und schließlich wird es uns sogar noch stärker miteinander VERBUNDEN haben, als wir es je  für möglich gehalten haben.

Dafür möchte ich gerne all meine Energie, mein Wissen und mein Herzblut im EU Parlament einbringen. Und bitte hiermit um Eure Stimme.